Fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie – Einleitung
Die fazio-skapulo-humerale
Muskeldystrophie ist die dritthäufigste Muskeldystrophie nach der
Muskeldystrophie
Duchenne
und der Myotonen Dystrophie
(Curschmann, Steinert). Einer von 20.000 Einwohnern in Deutschland ist von
dieser Erkrankung betroffen. Es ist eine mit höchst unterschiedlicher Ausprägung
der Symptomatik auftretende Erkrankung.
Die fazio-skapulo-humerale
Muskeldystrophie wurde erstmals von Guillaume Benjamin
Armand Duchenne de Boulogne im Jahre 1868 beschrieben, ausführlich wurden die
Symptome im Jahre 1884 von Louis Théophile Joseph Landouzy und
Joseph Jules Dejerine zusammengetragen in der Arbeit „De la
myopathie atrophique progressive (myopathie hèréditaire débutant, dan l’enfance,
par la face, sans altération du système nerveux). Deshalb werden auch die
Eigennamen von Landouzy und Dejerine oft mit der Erkrankung zusammen genannt (fazio-skapulo-humerale
Muskeldystrophie (Landouzy, Dejerine)).
Fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie - Krankheitsbild
Die
fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie ist in ihrer Ausprägung und im Beginn
der Beschwerdesymptomatik sehr variabel. Sie kann im Säuglingsalter oder auch
erst im höheren Lebensalter beginnen, typischerweise aber bei Jugendlichen oder
im jungen Erwachsenenalter.
Die zugrunde liegende Genveränderung führt im Alter von 30
Jahren bei etwa 95% der Männer, aber nur 69% der Frauen zu
Krankheitserscheinungen. Bei Männern tritt die Erkrankung früher und
ausgeprägter auf als bei Frauen. Die Ursache der Geschlechterdifferenz ist nicht
bekannt.
Typischerweise ist zunächst die
Muskulatur des Gesichts („fazio“) und der Schultern („skapulo“) betroffen,
gefolgt von der Fußhebermuskulatur und der Hüftmuskulatur. Dabei ist das Ausmaß
sehr unterschiedlich, es kann eine über Jahre kaum fortschreitende Schwäche der
Gesichtsmuskulatur vorliegen bis hin zu schweren Lähmungen der Körpermuskulatur.
Besonders charakteristisch ist eine Asymmetrie der Schwächen, sowohl im
Gesichtsbereich wie auch im Schultergürtel sind sie meist seitendifferent
ausgeprägt. Die Schwächen nehmen typischerweise zwischen dem 20. und 50.
Lebensjahr langsam zu. Etwa 10 bis 20% der Patienten sind im Verlauf auf den
Rollstuhl angewiesen, zumeist nur für längere Wegstrecken. Die Lebenserwartung
ist in der Regel normal.
Die Patienten merken als Folge
der Erkrankung, dass das über dem Kopf arbeiten erschwert oder gar nicht möglich
ist, beispielsweise beim Wäsche aufhängen. Das Aufrichten aus der Hocke oder das
Steigen auf einen Stuhl ist oft nur mit Mühe oder ebenfalls nicht möglich.
Kontrakturen (Verminderung des
Bewegungsumfangs) der Gelenke können vorkommen, sind aber nicht schwerer
ausgeprägt.
Die Schwäche der
Gesichtsmuskulatur wird auch als Facies myopathica bezeichnet. Sie betrifft vor
allem die die Augen und den Mund umgebenden Muskeln, so dass Augenschluss und
Pfeifen beispielsweise beeinträchtigt oder nicht möglich sind. Zungen-, Kau- und
Schluckmuskulatur ist dagegen nicht betroffen.
Die Lähmungen der
Schultermuskulatur führen typischerweise zu einer nicht ausreichenden Fixierung
des Schulterblattes am Rumpf. Das Schulterblatt steht dadurch beim Heben des
Armes vom Rumpf ab. Durch diese Instabilität, die als Scapula alata bezeichnet
wird, ist die Armhebung erheblich vermindert. Der Delta-Muskel dagegen ist meist
sehr gut ausgeprägt. Erst später im Verlauf ist auch die Oberarm-Muskulatur („humeral“)
betroffen. Typischerweise ist die Atemmuskulatur bei der fazio-skapulo-humerale
n Muskeldystrophie nicht beeinträchtigt.
Neben der Muskulatur können
auch andere Systeme des Körpers von der fazio-skapulo-humerale
n Muskeldystrophie betroffen sein. So liegen bei vielen
Patienten Hörstörungen im Hochtonbereich vor, die aber oft nicht bemerkt
werden. In sehr seltenen Fällen führen Veränderungen der Gefäße des Auges zu
Sehstörungen, dies wurde bislang nur bei wenigen Familien beschrieben.
Wie bei anderen
Muskeldystrophien wurde selten auch bei der fazio-skapulo-humeralen
Muskeldystrophie eine Mitbeteiligung des Herzmuskels beschrieben, jedoch ist
dies ungewöhnlich und muss eher an das Vorliegen einer anderen Muskelerkrankung
denken lassen.
Bei sehr ausgeprägten Schäden
des betroffenen Gens auf dem Chromsom 4 können auch epileptische Anfälle
auftreten, aber auch dies ist ein sehr seltenes Symptom.
Fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie - Diagnostik
Am Anfang
der Diagnostik stehen Anamnese (Gespräch mit dem Patienten über die
Vorgeschichte) und körperliche Untersuchung. Dabei ist besonders das oben
beschriebene Verteilungsmuster der Schwächen wegweisend in der Diagnosefindung.
Im Labor
ist die CK (Creatin-Kinase), ein Muskel-Enzym, im Blut normal oder bis fünffach
erhöht nachweisbar.
Elektromyographisch (Untersuchung der Muskelströme) finden
sich myopathische Veränderungen, d.h. auf eine Erkrankung des Muskels
hinweisende Muster, die aber nicht spezifisch für die Erkrankung sind.
In der
Muskelbiopsie gibt es kein für die fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie
charakteristisches Bild, sie zeigt wie bei anderen Muskeldystrophien ein
sogenanntes myopathisches Muster, unter anderem mit variablem Durchmesser der
Muskelfasern. Nicht selten werden auch entzündliche Veränderungen gefunden,
deren Bedeutung für das Krankheitsgeschehen aber unklar ist.
Fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie – Genetik
Obwohl das
für die fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie verantwortliche Gen bis heute
nicht ermittelt werden konnte, ist eine genetische Diagnostik möglich. Die
Erkrankung ist mit Veränderungen am Genort 4q35 verbunden. Dabei bedeutet die 4,
dass es sich um Chromosom 4 handelt, q weist auf den langen Arm des Chromosoms
hin. Es wurde ein unterschiedlich ausgeprägter Verlust von DNS (Deoxyribonukleinsäure),
also eine sogenannte Deletion, in dem genannten Genort am Ende des langen Arms
des Chromosoms 4 beschrieben. Dabei wird die Länge von DNS-Fragmenten
untersucht, die durch Spaltung durch bestimmte Enzyme erreicht wird. Die Länge
der Fragmente nach Spaltung durch das Enzym EcoRi beträgt bei Patienten mit
fazio-skapulo-humeraler Muskeldystrophie unter 35 kb, meist unter 28 kb (kb =
kilobasen). Beim Gesunden beträgt die Länge über 35 bis zu 500 kb.
Personen
mit Neumutationen, also bei denen keine weiteren betroffenen Familienmitglieder
bekannt sind, haben in der Regel kleinere EcoRi-Fragmente, das heißt auch, dass
sie in der Regel schwerer betroffenen sind, als familiär vererbte Formen.
Nur bei etwa 2% der an einer
fazio-skapulo-humeralen Muskeldystrophie Erkrankten findet sich der Genort nicht
auf Chromosom 4. Für diese Patientengruppe gibt es derzeit keinen
molekulargenetischen Test.
Fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie – Therapie
Es gibt
bislang keine Therapie, die die Erkrankung heilen kann. Dennoch gibt es aber
Behandlungsmöglichkeiten, die auch genutzt werden müssen.
Ziele der
Therapie und insbesondere der Rehabilitation sind die Verbesserung und das
Erhalten der Selbständigkeit in der Beweglichkeit und Selbstversorgung sowie der
Teilhabe am sozialen Leben. Die Behandlung ist am effektivsten bei einem
erfahrenen interdisziplinär arbeitenden Team aus Ärzten, Pflege,
Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Logopäden, Psychologen und Sozialarbeitern.
Muskuläre
Schwäche
Die
Schwäche der Muskulatur ist die wesentliche Ursache der meisten Probleme im
Alltag. Bei rasch fortschreitenden neuromuskulären Erkrankungen ist das Risiko
einer verstärkten Schwäche durch zu intensives Training groß. Training soll
grundsätzlich vorwiegend mit dem Ziel der Funktionsbesserung, nicht mit dem Ziel
der Kräftigung erfolgen. Das Training soll nicht bis zur Erschöpfung
durchgeführt werden. Warnzeichen einer Überbelastung sollten bekannt sein,
hierzu gehören ein anhaltendes Schwächegefühl nach den Übungen oder
Muskelschmerzen 24 bis 48 Stunden nach dem Training. Andere Warnsignale
beinhalten ausgeprägte Muskelkrämpfe, Schweregefühl von Armen und Beinen.
Dennoch
ist aber durch Training mit leichter bis mäßiger aerober Belastung wie Gehen und
Schwimmen eine Verbesserung der muskulären Ausdauer und der Leistungsfähigkeit
des
Herz-Kreislauf-Systems
und damit eine Minderung der Schwäche zu erreichen. Das Training erreicht nicht
nur eine Besserung der körperlichen Leistungsfähigkeit, sondern trägt auch dazu
bei, das ideale Körpergewicht zu halten und Schmerzen durch Fehlbelastungen zu
mindern. Die früher vertretene Meinung, dass Patienten mit einer
Muskeldystrophie nur durch Klopf-Druck-Massage und Ganzkörperisometrie (Teirich-Leube)
behandelt werden dürfen, gilt als überholt. Dynamisches und isometrisches
Arbeiten in Kombination führen offenbar zu den besten Therapieergebnissen. Die
Muskulatur sollte für das Training warm sein. Da die erkrankte Muskulatur durch
Überanstrengung und Überforderung zusätzlich geschädigt werden kann, sollte der
Therapeut auf das Arbeiten gegen Widerstand bzw. mit Gewichten und
Aufprallbelastungen, so insbesondere beim Springen verzichten.
Kontrakturen und
Skoliose:
Bei der
fazio-skapulo-humeralen Muskeldystrophie sind Kontrakturen, d.h. Einsteifungen
der Gelenke in der Regel ein untergeordnetes Problem. Skoliosen, also
Verkrümmungen der Wirbelsäule, und Haltungsstörungen der Wirbelsäule durch die
Schwäche der Rumpfmuskulatur aber häufige Probleme. Die Patienten müssen
regelmäßig auf die Ausbildung dieser Störungen hin untersucht werden. Besonders
groß ist die Gefahr bei Rollstuhlabhängigkeit und Abnahme der Kraft der
Rumpfmuskulatur. Vorsichtiges Dehnen der betroffenen oder gefährdeten Gelenke
reduziert das Risiko des Auftretens von Kontrakturen und verlangsamt das
Fortschreiten. Durch die regelmäßigen krankengymnastischen Übungen sollte ein
vorsichtiger symmetrischer Aufbau oder Erhalt der Rumpfmuskulatur angestrebt
werden, um Skoliosen vorzubeugen oder das Fortschreiten zu vermindern.
In
spezialisierten Zentren, z. B. in der Orthopädischen Universitätsklinik Erlangen
(Direktor: Prof. Dr. R. Forst), werden operative Fixierungen des Schulterblattes
vorgenommen, die eine Verbesserung des Bewegungsumfanges der Arme zur Folge
haben. Auch können Orthesen, also Apparate zur Stabilisierung und
Funktionsverbesserung von Gelenken eine Erleichterung des Gehens bewirken, zum
Beispiel Fußheberschienen, die die fehlende Kraft der Fußheber kompensieren.
Fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie –
Krankheitsverarbeitung
Oft werden bei
Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen depressive Störungen beobachtet.
Ursache kann die Verarbeitung der Erkrankung sein, häufig sind es aber auch
Probleme der sozialen Integration und des Erhalts des Arbeitsplatzes.
Selbsthilfegruppen können hier ganz wichtige Hilfestellungen geben, die
Teilnahme an Selbsthilfegruppen ist den Patienten sehr zu empfehlen. In
Deutschland ist die Deutsche Gesellschaft für Muskelkranke (DGM,
www.dgm.org) sehr aktiv. Mitglieder der Gruppen stellen auch Hilfestellungen
dar beim Lösen sozialer Probleme oder bei der Beratung bzgl. Hilfsmitteln.
Aber auch
die Partner der Erkrankten dürfen hier nicht vergessen werden. Auch sie können
unter Störungen der Verarbeitung der Erkrankung des Partners leiden.
Die psychologische Betreuung ist weiterer wichtiger Teil der Rehabilitation.
Auch hier kann eine wichtige Unterstützung über die stationäre Behandlung hinaus
gegeben werden.
Fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie –
Hilfsmittel
Eine Reihe von Hilfsmitteln können die Bewältigung der Beeinträchtigungen durch
die Krankheit erleichtern oder erst ermöglichen. Hierzu können gehören
Duschstuhl, Badewannen-Lifter, Toilettensitzerhöhungen, Rollstuhl, Rampen für
den Rollstuhl, Krankenbett, aber auch kleine Hilfen wir Greifzangen. Das
Ausprobieren und die Versorgung mit Hilfsmitteln sind eine Domäne der
Ergotherapie.
Fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie – andere Therapieoptionen
Das Verständnis für die
molekulare Basis vieler neuromuskulärer Erkrankungen hat die diagnostische
Genauigkeit erhöht und mag die Basis für zukünftige gezielte therapeutische
Maßnahmen bringen. Im Bereich der fazio-skapulo-humeralen Muskeldystrophie ist
das gestörte Gen bisher nicht bekannt, der Mechanismus des Untergangs der
Muskelfasern damit auch nicht verstanden, so dass es bislang keine Möglichkeit
gibt, die Erkrankung zu heilen.
Albuterol
Eine randomisierte
doppelblinde und placebo-kontrollierte, also nach heute gültigen Anforderungen
durchgeführte Studie von Kissel und Mitarbeitern, Department of Neurology der
Ohio State University, Columbus/USA, wurde im Oktober 2001 veröffentlicht. Dabei
führte die Gabe von Albuterol für die Dauer eines Jahres nicht zu einer
allgemeinen Verbesserung der Kraft, wohl aber speziell der Griffstärke und die
Muskelmasse. Das Medikament wurde gut vertragen, Nebenwirkungen waren
insbesondere Muskelkrämpfe, Zittern, Schlafstörungen und Nervosität. Bei
Albuterol handelt es sich um ein sogenanntes beta-2-Mimetikum, das in der
Behandlung des Asthma bronchiale eingesetzt wird. Es gehört zu den Anabolika und
wurde auch im Doping von Sportlern verwendet. Insgesamt ist das Medikament
derzeit noch nicht allgemein für die Erkrankung zu empfehlen, weitere
Untersuchungen sind notwendig. Zugelassen ist das Medikament für diese
Indikation ebenfalls nicht.
Kortison
In einer kleinen Studie
konnte Prednison, ein Kortison-Präparat in einer Dosis von 1,5 mg/kg
Körpergewicht pro Tag über 12 Wochen gegeben, nicht zu einer Verbesserung der
Kraft führen. Nach heutiger Kenntnis gehört also Kortison nicht in die
Behandlung der fazio-skapulo-humeralen Muskeldystrophie.
Kreatin
Tierversuche ergaben
Hinweise, dass auch der Einsatz von Kreatin sich bei neuromuskulären
Erkrankungen günstig auswirken kann. Die Substanz ist für den
Energiestoffwechsel der Muskeln wichtig. Es wurde schon eingesetzt als
Nahrungsergänzung von Sportlern, um damit die maximale Leistungsfähigkeit des
Muskels zu verlängern und die Erholungszeit nach Anstrengung zu verkürzen. In
den letzten Jahren konnte das Präparat auch bei neuromuskulären Erkrankungen
positive Effekte, bei verschiedenen Untersuchungen aber schließlich doch
widersprüchliche Ergebnisse, zeigen. In Anbetracht des günstigen
Nebenwirkungsprofils kann Kreatin zusätzlich zu der übrigen Therapie
versuchsweise eingesetzt werden. Vor dem Einsatz sollte aber noch mit dem
Hausarzt gesprochen werden, ob es im individuellen Fall Bedenken gegen das
Präparat gibt.
Die Substanz ist
mit reichlich Flüssigkeit (mindestens 2 Liter täglich), nicht jedoch Kaffee
einzunehmen. Für 10 Tage erfolgt bei Erwachsenen eine „Ladephase“ mit 8 g
Kreatinmonohydrat/Tag, verteilt auf 2 Tagesportionen, dann 4 g/Tag. Wegen der
möglichen Verminderung des Transporters für Kreatin in der Muskelzelle wird alle
drei Monate eine 2– bis 4wöchige Therapiepause empfohlen. Danach wird wiederum
mit einer Ladephase begonnen. Höhere Dosen sind nicht zu empfehlen, da dann
Nierenschäden auftreten können.
Fazio-skapulo-humerale Muskeldystrophie –
Sozialmedizinische Aspekte
Im Bereich der
Sozialmedizin können verschiedene Aspekte zur Sprache kommen. Gilt es zum
Beispiel den Arbeitsplatz zu retten, kann das Beantragen einer der Behinderung
angepassten Arbeitsplatzeinrichtung wie evtl. auch die Vereinbarung zusätzlicher
Pausen wichtige Unterstützung bringen. Die Sozialarbeiter können bei diesen
Problemen beraten und unterstützen. Sie wissen, welche Kostenträger für welche
Maßnahmen anzufragen sind. Auch die Beratung mit der Frage der (Teil-) Berentung
kann wichtige Hilfestellungen geben. Bei schwerer betroffenen Personen müssen
die Leistungen nach dem Pflegegesetz oder dem Schwerbehindertengesetz bekannt
sein.
Für Jugendliche ist es
empfehlenswert, die Berufsausbildung so zu planen, dass der Beruf auch nach
Jahren mit langsam zunehmender Muskelschwäche noch ausgeübt werden kann.
Stationäre Behandlungsmaßnahmen (Rehabilitation)
Regelmäßige ambulante Behandlungen sind in der Regel erforderlich,
um Fähigkeiten kontinuierlich auf einem möglichst stabilen Niveau zu erhalten.
Um latent vorhandene Fähigkeiten und muskuläre Funktionen zu verbessern, den
Verlauf damit günstig zu beeinflussen, ist die stationäre Rehabilitation
notwendig. Sie sollte in regelmäßigen Abständen erfolgen. Wenn die Erkrankung
durch Verschlechterung von Funktionen es erfordert, kann sie in verkürzten
Abständen erfolgen, beispielsweise jährlich. Mit einem entsprechenden Antrag
durch den Hausarzt oder betreuenden Neurologen wenden Sie sich an den
zuständigen Kostenträger. Für Berufstätige ist der zuständige Kostenträger die
Deutsche Rentenversicherung, ehemals BfA oder LVA. Ist das Ziel nicht der Erhalt
der Arbeitsfähigkeit, ist in der Regel die Krankenkasse anzusprechen.
Neuromuskuläre
Erkrankungen sind selten. Deshalb ist es wichtig ist, dass die Behandlung in
einer Rehabilitationsklinik stattfindet, die in der Behandlung neuromuskulärer
Krankheitsbilder versiert ist. Es ist erforderlich, dass die Therapeuten
regelmäßig Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen behandeln. Intensität und
Art der Behandlung unterscheiden sich deutlich von der Behandlung anderer
neurologischer Erkrankungen. Die
Neurologische Abteilung der Klinik Hoher
Meissner
hat in
den letzten Jahren konsequent den Schwerpunkt der Behandlung neuromuskulärer
Krankheiten aufgebaut. Unser Behandlungsprogramm umfasst je nach den
individuellen Erfordernissen unter anderem die Bereiche Krankengymnastik,
Ergotherapie, Logopädie, Psychologie, Wärmetherapie und Massage. Wichtiger
Bestandteil ist auch die spezielle Gesprächsrunde für Patienten mit
neuromuskulären Erkrankungen. Austausch über den Umgang mit den Erkrankungen und
Krankheitsverarbeitung sind wichtige Inhalte der Gesprächsrunde. Vierzehntägig
findet ein spezielles ärztlich geleitetes Seminar statt, in dem unter anderem
aktuelle Informationen über Therapien berichtet werden, die sich in der
wissenschaftlichen Entwicklung befinden oder aktuell diskutiert werden.
Hier besteht neben dem Einzelgespräch die Möglichkeit, viele Fragen über die
jeweiligen Erkrankungen beantwortet zu bekommen.
Informieren Sie sich auch zu den Themen
Sport und Bewegung bei
neuromuskulären Erkrankungen
und
Hilfsmittel für
Patienten mit neuromuskulären Erkrankungen
Mit den besten Wünschen,
insbesondere für Ihre Gesundheit
Dr. med. Carsten Schröter
Chefarzt der Neurologischen Abteilung der Klinik Hoher Meissner
Arzt für Neurologie
Physikalische Medizin, Rehabilitationswesen
Mitglied der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke
Weitere Medizinische Informationen
und
Links für Patienten und Interessierte –
von
Amyotrophe Lateralsklerose bis zur
Therapie der spastischen Spinalparalyse
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Aktualisiert:
Juni 2010
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